| 2010 | | Was Künstler zur Atomkraft sagen | Raum für Junge Kunst | Mein Müll? - Den pökel' ich ein! | VOM FEINSTEN | |
Was Künstler zur Atomkraft sagen |
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CONTRApunkt Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorhabens, im Wendland ein Nukleares Entsorgungszentrum einzurichten, haben sich zwei Dinge nahezu parallel entwickelt: Der Widerstand gegen diese Pläne - und das Fest zum Protest. Im Widerstand sind noch heute Tausende aktiv und das Fest hat sich mittlerweile als Kulturelle Landpartie etabliert. Seit einigen Monaten kommt Stück für Stück ans Licht, mit welch geradezu krimineller Energie der Standort Gorleben, gegen alle Vernunft, gegen alle Argumente und Bedenken durchgedrückt wurde. Ein atomares Endlager gibt es aus gutem Grund bis heute nicht und dennoch sind Laufzeitverlängerungen selbst für marode Atomkraftwerke geplant! Grund genug, sich einmal mehr mit diesem Thema zu befassen? Sind nicht scheinbar alle Argumente bereits ausgetauscht? Wirken Wiederholungen nicht ermüdend? Die Kunst mit ihren unbegrenzten Ausdrucksmöglichkeiten kann indessen neue Sichtweisen eröffnen. So sehen es die Teilnehmer der Gemeinschaftsausstellung CONTRApunkt. und entsprechend weit gespannt sind die Aussagen, entsprechend vielfältig sind die verwendeten Techniken und Materialien, die Formen und Farben, mit denen dem Thema Atomkraft begegnet wird. Eines aber ist allen Arbeiten gemeinsam: Fragwürdiges wird hinterfragt, es werden Finger in Wunden gelegt und der Betrachter kommt um eine eigene Stellungnahme nicht herum. Wut und Ohnmacht sprechen aus den Arbeiten. Aber auch Kraft und Mut, Witz und Ironie sind zu finden. Den pädagogischen Zeigefinger wird man vergebens suchen, stattdessen wird mit ästhetik und Tiefgang hingewiesen auf eines der problematischsten und skandalumwittertsten Vorhaben in unserem Land. Die Ausstellung finden Sie in der Kunsthalle Jameln, näheres auf Seite 83 Reisebegleiter. |
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Ein Raum für junge Kunst |
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Die junge Kunst liegt uns am Herzen! Darstellende oder Bildende Kunst - jede Kunstform - eigenwillig, spannend und innovativ - ist willkommen. Einige junge Künstler haben die Kulturelle Landpartie schon für sich ent- deckt. (siehe Seite 111 Reisebegleiter, Lüchow bei Kunstundso) Für die folgenden Jahre hätten wir gerne noch mehr. Also laden wir ein: Wer sich als junge Künstlerin, als Künstlergruppe ... dem Wendland durch Herkunft, Freunde oder politische Interessen verbunden fühlt, wer nach Möglichkeiten der Veröffentlichung, der Ausstellung oder Vorführung sucht, der komme! Wir träumen von einem GROSSEN KRAFTVOLLEN KUNSTPROJEKT. Möglicherweise gibt es dann zur Landpartie 2011 ein unbewohntes Haus, einen leer stehenden Hof, in dem ein Haufen junger Kunst für einige Zeit lebt und ausstellt. Lichtinstallationen, Filme, Performances und Thea- terinszenierungen. Wenn wir was reichlich haben im Wendland, dann Raum. Finanzielle und informative Unterstützung geben oder vermitteln wir mit Lust. Sprecht uns früh genug an. um Visionen umzusetzen.
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Mein Müll? - Den pökel' ich ein! |
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Liebe Kulturtouristen, liebe Kinder, es folgt ein wahres Märchen: Es war einmal ein idyllisches Fleckchen fast am Ende der Welt, das hieß Wendland. Dieses Fleckchen war zwar schön, aber für den Rest der Welt so gut wie wertlos und außerdem nur dünn besiedelt. Da traf es sich günstig, dass Herr Albrecht, seines Zeichens Ministerpräsident der Niedersachsen, aus der Abgeschiedenheit seines Büros (mit freundlicher Unterstützung einiger Energiekonzerne) verkündete, dass hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen das Geld zwar nicht auf der Straße, dafür aber unter der Erde zu finden sei. Das mit den sieben Bergen war eher symbolisch zu verstehen, denn die Gegend hier ist eher flach, das mit den sieben Zwergen war allerdings ernst gemeint, weil im gottverlassenen Blinddarm der alten Bundesrepublik nur ein paar Hanseln und Greteln wohnten, die überdies zumeist stramme CDU Wähler waren. Und von denen fanden und finden es viele eine prima Idee, alles das zu verbuddeln, was bei der unglaublich modernen atomaren Stromerzeugung übrig bleibt, also Müll, der nur etwa eine Million Jahre tödlich strahlt. Weil es bei dieser Idee sogar manchem Ingenieur, ja sogar manchem Politiker etwas mulmig wurde, erklärte Herr Albrecht in kleinstem Kreise: Wenn etwas schief geht, dann trifft es ohnehin fast nur die bösen Kommunisten auf der anderen Seite der Elbe. Das war im Jahre des Herrn anno 1977, und nun sollte alles gut werden.
Die bösen Kommunisten hatten übrigens auf ihrer Seite des Flusses
ähnlich kalkuliert und versenkten ihren Strahlenmüll in einem Stollen bei
Morsleben, in der Hoffnung, dass im Havariefall nur die schlimmen
Kapitalisten auf der Westseite betroffen wären.
Ja liebe Kulturtouristen, liebe Kinder, es hätte alles so schön werden
können, denn überall draußen im Land darf ein jeder, der es sich leisten
kann, endlos Strom zapfen und nur ein paar "dumme Bauern" links und
rechts der Elbe zahlen die Zeche - doch Pustekuchen! Viele Menschen
waren zwar zunächst von den neuen, nicht qualmenden Kraftwerken
begeistert, doch leider bleibt bei dieser Art der Stromerzeugung ein
klitzekleines Risiko, z. B. in Form von Unfällen, oder auch der Umgang mit
dem strahlenden Restmüll. Der sollte, wie Müll in dieser besten aller
Welten überhaupt, einfach weg, und zwar dahin, wo er keinen Schaden
anrichten konnte. Oder wenigstens dahin, wo ihn keiner mehr sehen
musste, also möglichst unter die Erde, und zwar in Gorleben. Doch
dummerweise ließen sich die "dummen Bauern" nicht, wie geplant, für
dumm verkaufen, denn selbst die dümmsten Bauern lassen sich und ihre
Felder nicht gerne vergiften. Mit der ihnen eigenen Sturheit bauten sie
ein Hüttendorf (1980) und behinderten die nötigen Bohrungen, dann
trieben sie immer wieder allerlei ernsten und auch spaßigen Schabernack, um die Planungen und Bautätigkeiten zu be- oder gar zu verhindern. Derweil errichteten die strahlenden Herren unter Tage gewaltige
Gewölbe, die zwar wenig mit Forschung, dafür viel mit einem Endlager
zu tun hatten, obwohl dafür keinerlei Genehmigung vorlag - ein
Schwarzbau also - aber das kümmerte fast niemanden, so lange Strom
und Schmiergelder reichlich flossen. Seit 1996 werden nun Castorbehälter in einer Art Kartoffelscheune oberirdisch eingelagert. Dort müssen
sie 40 Jahre stehen, damit sie von rund 400 Grad so weit abkühlen, um
den strahlenden Müll neu verpacken zu können und ihn dann tief
hinunter in den Salzstock ... "Wenn der Salzstock aber nun ein Loch hat", singen die Demonstranten,
parken Traktoren an ungünstigen Stellen, setzen sich auf Schienen und
Straßen und wollen seit über dreißig Jahren nicht einsehen, dass dieser
Salzstock, der tatsächlich nicht nur ein Loch hat, ein sicherer Platz für
den tödlich strahlenden Müll sein soll. Und so erlebt dieser fast
menschenleere Landkreis fast alljährlich seine Castor-Festspiele mit
Tausenden Mitwirkenden mit und ohne Uniform. Und Sie, liebe Kulturtouristen, sind herzlich eingeladen, überall dort, wo sie das gelbe "x"
sehen, die dortigen Eingeborenen anzusprechen - sein Sie versichert,
die haben was zu erzählen. Und niemand sollte sich das Schauspiel im
November entgehen lassen. Gegeben wird das Lehrstück vom Atomstaat, gespielt wird auf Straßen, Schienen, Wiesen und in Wäldern. Ein
buntes Ensemble aus Trachtengruppen der Polizei, pittoresken Eingeborenen mit ihren seltsamen Freunden wie Clowns, Freaks und Naturschützern, Seelsorgern im Talar, Anwälten im Wintermantel, Traktoren,
Hubschraubern und schwerem Räumgerät liefert sich auf offener Bühne
einen gelegentlich sogar heiteren Wettstreit, bei dem geht es letztlich,
wie in jedem guten Theater, um Leben und Tod.
Falls Sie daran kein Interesse haben - auch gut, denn wenn die
Atomstrategen letztlich gewinnen und dann geht irgendwo irgendwas
schief.... Dann sind sie und Ihre Kinder die ersten, die es erfahren
werden - und das ist dann kein Märchen mehr. Doch bis dahin gilt:
Wenn wir nicht gestorben sind, dann wehren wir uns noch heute! |
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VOM FEINSTEN Stromwechsel + Kunst VOM FEINSTEN ist eine Fotokunst-Aktion von Katrin Karmann ... |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Wäre ich eine Bohrmaschine ...
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