Wir über uns


Mein Coronajahr ohne KLP

Wir künstlerisch Arbeitenden hatten im zurückliegenden Jahr 2020 viel weniger Gelegenheit, mit unserer Arbeit zu berühren – und doch bleibt die Berührung der wichtigste Impuls unseres Zusammenlebens in menschlicher Gesellschaft. Berührungen wie Begegnungen sind dem Einen im Lachen ansteckend, dem Anderen als Gedanke oder Wärme anregend, dem Nächsten abstoßend, sind ihm Gefahr, Verdrängung, Vertreibung und Tod. Das Corona-Virus jedenfalls ist ein mächtiger Denkanstoß seitens der Natur an uns Menschen. Was das Corona-Virus dem Menschen ist, ist der Mensch der Erde, mit seinem wahnsinnigen Konsum- und Verbrauchsverhalten über jedes vernünftige Maß hinaus. Die eigentliche Krise ist nicht die Pandemie, sondern vielmehr das Nicht-Lernen-Wollen. Kunst kommt von Können – so sind wir herausgefordert, nachzudenken und unsere Gedanken verständlich und wirkungsvoll einzubringen – das ist die Kunst – wie sie lebt! – mit Klugheit ansteckend und auch dem Wissen, dass Weniger = Mehr ist – so auch bei einer KULTURELLEN LANDPARTIE. … „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“ Paul Klee ((1879 – 1940))

Andreas Marquard, Schnackenburg

Kein Wind Heute

bis zum nächsten unwetter

werden wir durchhalten.

Irgendetwas bahnt sich an.

Niemand weiß wie es weitergeht.


Monika Müller-Klug, Damnatz Skulpturengarten

„Klammern an die Leine“
Was kann denn, darf denn stattfinden an unserem „Wunder-Punkt“ ? Eine Frage, die uns als Seelwig-Tempel-Team bis heute beschäftigt. Aber Not macht bekanntermaßen erfinderisch. So erkundigten wir uns nach Hygienevorschriften, Regulierungsmöglichkeiten der BesucherInnen, loteten die räumlichen Gegebenheiten aus und boten im Sommer 14-tägig an den Wochenenden Ausstellungen und Veranstaltungen an, die auch gut besucht wurden. https://www.seelwig-tempel.de/ Dabei stellte sich die Frage, wie damit umgehen, wenn BesucherInnen weggeschickt, auf die Hygienemaßnahmen aufmerksam gemacht werden müssen? Im Nacken saß uns mitunter auch die Angst vor „KontrolleurInnen. Ja! Es war teilweise anstrengend und wir brauchten einen langen Atem! Letztlich überwogen jedoch das Veranstaltungsvergnügen und die Freude an den Vorbereitungen bei Weitem, wenn es z.B. darum ging, den Einlass und Ausgang kreativ zu gestalten. Ob im Rahmen der KLP oder auf neuen Wegen: wir sind mutig, zäh und gehen beherzt weiter!
Rea Grit Zielinsky, Seelwig

Fast das ganze Jahr alleine vor mich hingekritzelt und das Arbeiten mit meinen Künstlerkollegen vermisst. Gott sei Dank gab es ein paar Highlights. Wagen und Winnen z.B. und Konzerte in Neu Tramm.
Tanja, Lanze 29 (Pause 2021)

Die Präsentation der Kunst ist ausgefallen, denn Kunst braucht Freiheit. Wenn Anzahl und Verhalten der Besucher beschränkt werden soll, kann ich nicht in einen Austausch über die Kunst einsteigen. Deswegen ist für mich als bildender Künstler auch die digitale Präsentation keine Option, es fehlt der Kontakt zum Original – auf beiden Seiten: die Betrachtung des Kunstobjektes und das Gespräch mit den Menschen.
Gerald Brieskorn aus Küsten, Grabenstedter Weg (Pause 2021)

Himmelfahrt hätten wir heulen können! Unser geniales Programm – wir hatten so grandiose Kooperationen mit Kolleg*innen geplant!!! Überraschungen und Neuheiten – auch für uns. Merda Merda Merda!! Wir bauten also Tomaten und anderes Gemüse an. Hauke erwies sich als ebenso erfindungsreich wie bei Bühnengestaltungen. Dann lasen wir „die Pest“ von Camus und tranken Whiskey und Grüntee. Pfingstsonntag dann: Yogi Jokusch, kam durch den vorderen Seiteneingang in den Garten. Ulrich Kodjo Wendt trottete durch die hintere Gartentür herein. Beide übrigens von der UKW Band, die sonst Pfingsten immer hier spielen. Sie wussten nix voneinander, aber ihr Slogan „kein Pfingsten ohne Elbvielharmonie!!“ ließ sie von Hamburg hierher anreisen“
Uschel Pehlke, Hitzacker Elbvielharmonie (Pause 2021)

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Kulturelle Landpartie 2020 – Abgesagt

Für viele von uns ist die Absage der Kulturellen Landpartie eine Katastrophe. Da auch sämtliche Märkte abgesagt sind, haben viele von uns zur Zeit kein oder so gut wie kein Einkommen. Auch viele soziale und politische Belange/Veranstaltungen fallen jetzt unter den Tisch.

Viele von uns haben eine homepage, teilweise mit webshop.

Bitte seid so lieb, klickt euch durch die Galerie und schaut, wer wir sind und was wir machen oder produzieren.

Gefällt euch etwas, dann setzt euch mit uns in Verbindung, entweder übers internet oder übers Telefon. Die meisten von uns freuen sich, wenn ihr über diesen Weg Interesse an unseren kreativen Produkten zeigt und viele von uns, sind sehr gerne bereit, die Ware per Post zu schicken.

Die meisten arbeiten mit Hochdruck daran, ihre website zu aktualisieren, einen shop einzurichten, oder Lesungen etc. per Video zu erstellen. Deshalb ist nicht sofort alles perfekt. Habt ein bisschen Geduld und bleibt uns treu, wir brauchen euch.

Corinna Pelch für die Kulturelle Landpartie

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Kulturelle Landpartie – Wie kommt der Geist in die Flasche?

1988 trafen sich erstmalig sieben Menschen, alles Multiplikatoren aus Institutionen und Aktionsgruppen auf dem Werkhof Kukate, um über die Idee eines gemeinsamen Veranstaltungskonzeptes nachzudenken. Der Pfingstmarkt Kukate – Handwerk und Kunst, den Karin und Arnulf Wenzel gemeinsam mit uns 1985 ins Leben gerufen hatten, war ein überwältigender Erfolg geworden und die Zauberlehrlinge fragten sich, wie können wir das plötzliche Publikumsinteresse auf unser eigentliches Anliegen lenken: den wunden Punkt Gorleben?

Planungen machen immer viel Spaß, die Ideen fliegen und das Vertrauen in die eigenen Kräfte kennt keine Grenzen, je mehr Riesling getrunken wird. Am Ende entstand 1990 ein Flyer mit der vollmundigen Ankündigung der „Wunde.r.punkte Wendland“ , dazu ein buntes Plakat mit dem laufenden Fisch. Der Werkhof Kukate war die Kontaktadresse.

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten 1990:

Für 10 Tage wollen wir das Wendland zu einem Ort der Begegnung und des Austausches machen. Künstler und Handwerker, politische und ökologische Initiativgruppen, Bewegte und Unentwegte stellen sich und ihr Leben vor – zwischen Utopie und Alltag, zwischen Auflehnung und Anpassung, Kunst und Kommerz, zwischen Aquarell und Becquerel…

Parallel hatten Irmhild Schwarz aus Kröte und ich seit 1988 die Landschaftskunstaktion „Aus allen Wolken – Textile Zeichen in der Landschaft“ vorbereitet. 25 KünstlerInnen aus der BRD und 25 KünstlerInnen aus der DDR waren daran beteiligt. „Die Schadstoffe der Industrienationen werden vom Winde verweht, egal wohin der Wind weht, er trifft immer den Menschen“ , so hatten wir geschrieben. Kaum war die Ausstellung an den Wegerändern rund um Kukate aufgebaut, brach ein Shitstorm der Jäger los, denn am gleichen Tag wurde die Bockjagd eröffnet. Es gab heftige öffentliche Auseinandersetzungen und unzählige Berichte in allen Zeitungen Norddeutschlands, im Radio und im Fernsehen. Über Nacht waren die Wunde.r.punkte Wendland in aller Munde und die Besucher strömten. Jede PR Agentur hätte uns über den Erfolg beneidet.

Erfolge machen süchtig.

Drei Jahre – immer besser, immer weiter, immer höher – dann war Schluss mit den Wunde.r.punkten, denn die Macher wollten keine politische Veranstaltung anpreisen und Batiken und Töpfchen verkauft sehen. Seit 1995 gibt es nun die Kulturelle Landpartie – Wunderpunkte im Wendland, eine echte Kulturveranstaltung, die seither basisdemokratisch und ohne jede öffentliche Förderung organisiert wird.

Nichts ist so beständig, wie der Wandel. Viele Weggefährten haben die endlosen Diskussionen und Flügelkämpfen nicht ertragen können, ich bin dabei geblieben. Heute präsentieren wir zur Landpartie die Werkhofarbeit, die Kursleiter stellen ihre handwerklichen Arbeiten in der Galerie aus. Ich erkläre die Arbeit der Grüne Werkstatt Wendland, denn Innovation ist nötig. Junge Leute braucht das Land – in Design Camps haben sie die Möglichkeit, Leben und Arbeit auf dem Lande kennen zu lernen. Nach jedem Camp bleiben ein oder zwei TeilnehmerInnen für immer im Wendland.

Im alten Postamt in Lüchow hat die Grüne Werkstatt einen Ort für junge Leute geschaffen. Diese Organisationsarbeit füllt und erfüllt heute mein ganzes Leben.

Die Kulturelle Landpartie hat sehr viel Lebenszeit und Kraft gekostet, aber noch viel mehr Kräfte entfaltet. Keine Stunde möchte ich davon missen!

Michael Seelig vom Wunderpunkt Kukate

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Wunde, Wunder, Punkt.

Von Reinhard Kahl

Für uns Hamburger war das Wendland erst mal so etwas wie eine Landpartie, politisch und bald auch etwas revolutionsfolkloristisch. Außerdem privat und später manchmal auch etwas eskapistisch. Schließlich kulturell. Die Kulturelle Landpartie! Manchmal allerdings wurden wir des Kunsthandwerks und KLP-Tourismus etwas überdrüssig.

Aber es blieb doch immer wie ein Wasserzeichen dieses schöne Wort: Wunderpunkt. Dieser Ur-Sprung. Wunde und Wunder. Beides.

Die Wunde. Unvergessen der Satz von Franz Kafka: „Diese wunderschöne Wunde, mit der ich auf die Welt gekommen bin, das einzige, was ich habe.“ Die Alternative zur Wunde – zumal zur schlecht verheilten – ist die Narbe. Verwachsenes, gefühlloses Gewebe. Die Wunde ist empfindlich. Sie kann sogar wie ein Atmungsorgan sein. Nicht nur für Dichter oder Künstler. „Zeigt her eure Wunde“ , verlangte Josef Beuys – und später Christoph Schlingensief.

Wunder gibt es auch für eine Atheistin wie Hannah Arendt: „Jeder neue Anfang wird zum Wunder, wenn er von dem Standpunkt der Prozesse, die er notwendiger Weise unterbricht, gesehen und erfahren wird.“

Die Philosophin, die ungern so genannt wurde, wehrte sich gegen den religiösen Zauber, der das Wunder vereinnahmt, es klein, zur Ausnmahme und unschädlich macht. „Bereits die Entstehung der Erde ist eine unendliche Unwahrscheinlichkeit, wie die Naturwissenschaftler sagen – ein Wunder, wie wir sagen würden.“

Radikaler und pragmatischer werden! Beides! Also politischer werden. Uns gegenseitig überraschen! Wunder ermöglichen. Die Wunde nicht überspielen. Sie zum Thema machen! Das versuchen wir seit 2016 mit dem Wunderpunkt in unserer Scheune in Brünkendorf auf dem Höhbeck. Auch weil wir ein bisschen unzufrieden über die vielen Räucherstäbchen & Co. auf der KLP waren, haben wir begonnen, das zu machen, was uns fehlte und was wir meinen ganz gut zu können.

Gastgeber sein und zu Gesprächen einladen. Denn, „was ist erquicklicher als das Licht?“ fragte ein häufig zitierter Dichter und antwortete: „Das Gespräch!“ (Goethe war´s.) Dabei helfen Erfahrungen und Kontakte 20 Jahre als Gastgeber des Philosophischen Cafés im Hamburger Literaturhaus.

Im ersten Jahr hieß unser Motto: Wurzeln und Flügel. Dann ging es 2017 weiter: Kleine Schritte – Weiter Horizont. 2018: Zum Leben verabreden! 2019: Du sollst nicht funktionieren! Vita Activa. Vom tätigen Leben. Und 2020: Der Boden unter unseren Füßen.

Denn ist es nicht ein Wunder, dass auf einer Schaufel Humus mehr Lebewesen gezählt werden als Menschen auf dem Globus? Und dieser fragile, dünne Boden wird dem großen Weltverbrauch geopfert! Auf unserer Erde, der einzigen, sind 20 Prozent der Agrarflächen schon biologisch tot.

Auch der soziale Boden erodiert. In München sind Grundstückspreise seit 1950 um 39390 Prozent gestiegen. Kein Druckfehler. Vielen Menschen schwankt der Boden unter ihren Füßen. Manchen bricht er weg und sie klammern sich an Trugbilder von angeblicher, verlorener Sicherheit.

Reinhard Kahl vom Wunderpunkt Brünkendorf, Dorfstraße

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gute Zeiten schlechte Zeiten

Als wir von Raum2 uns vor fünfzehn Jahren dazu entschlossen ein Ausstellungsort auf der Kulturellen Landpartie zu werden, bestand in den ersten Jahren eine große Hemmschwelle seitens der Besucher auch nur einen Fuß auf das Gelände zu setzen. Slogans wie: „100 % kein Fachwerk“ oder „Beton, es kommt drauf an was man draus macht“ unterstrichen, dass wir uns nicht nur äußerlich von den anderen Punkten abheben. Mit der Entscheidung der „Nachtpunkt“ zu werden wurde dieser Umstand noch deutlicher. So feierten wir in den ersten Jahren zwischen Himmelfahrt und Pfingsten nur mit uns und unseren Freunden. Geld spielte keine Rolle, wir hatten gemeinsam eine gute Zeit, auch um uns gegenseitig kennenzulernen und Freundschaften zu schließen.

Im Laufe der Jahre wurden wir reifer und professioneller. Unsere eigenen Ansprüche stiegen und damit einhergehend die Qualität der künstlerischen und handwerklichen Beiträge. Auch die Vernetzungen mit anderen Projekten und die räumliche Erweiterung durch den Kauf des Geländes, brachten uns viel Aufmerksamkeit und neue Besucher. Der technische und arbeitstechnische Aufwand stieg enorm an. Aktuell geraten wir an die Grenzen des Machbaren. Von der Überlastung der sanitären Anlagen, über einen Sitzplatz im Restaurant, oder genug Raum zum Tanzen auf den Veranstaltungen. Wir werden zum Dienstleister und plötzlich gibt es den KLP-Stress, die Spaltung zwischen Ehrenamt und der Möglichkeit Geld zu verdienen, den Burnout und den Wunsch wieder kleiner zu werden.

Es war viel Arbeit, groß und erfolgreich zu werden, aber es ist viel schwerer sich zu reduzieren, zurück zu rudern, um wieder zur Gemütlichkeit zu finden.

Trotz allem:

Für mich bedeutet die Kulturelle Landpartie immer noch die Möglichkeit zu zeigen, welches Potential Raum2 aber auch das Wendland im Ganzen in sich birgt. Vielen Projekten mangelt es das ganze Jahr über an Akteuren und Unterstützern, die zur Kulturellen Landpartie verstärkt anrücken, um ihr Potenzial, ihre Ideen, Energien, Tatkraft und frischen Wind mit einzubringen, um verschlafene Orte gemeinsam mit uns zu verwandeln und zu zeigen was möglich ist wenn alle mit anpacken.

Susanne Klingenberg vom Wunderpunkt Neu Tramm

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KLP – der andere Ausnahmezustand im Wendland…

… beim Ankommen in Meuchefitz balanciert eine Person auf dem Drahtseil über die Straße – großes Staunen und Bauchkribbeln vor Höhenangst

… die Kommunebuchlesung in der Güstritzer Scheune eröffnet einen unerwartet konzentrierten Raum für Gespräche über andere Formen des Lebens und des Arbeitens, live und in Farbe

… Leute sprechen hören, von denen ich hier in der Region sonst maximal in Büchern zu lesen bekomme – und hinterher noch beim Getränk mit ihnen weiter diskutieren (Bsp. Nico Paech)

… beim Spontankonzert von RAK-Leuten am Bergwerk tanzen, außerdem abgefahrene Akrobatik bewundern und dabei auf die nach wie vor aktuellen politischen Brennpunkte hinweisen

… leckeres Essen an Orten, wo’s sonst nichts zu essen gibt

… mit Banneraktionen viele Leute erreichen und Debatten auslösen

… mit den Veranstaltungen der KURVE Wustrow dazu beitragen, dass die KLP auch ein politisches Event ist und bleibt!

Joel Campe von der Kurve Wustrow (an verschiedenen Wunderpunkten)

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Was die Kulturelle Landpartie für mich ist?

viel mehr als ein outdoor-kunst-festival für ökos auf rädern. KLP ist, als zweijährige noch nicht wendländerin im gorlebener wald vor salinas salz mit mama verstecken zu spielen. KLP ist, als kleinkind unter ungläubigen blicken vom nachbartisch pürierten spinat im glas zu essen zu kriegen und morgens aus dem zelt auf die frisch gemähte wiese in den sonnenschein hinauszupurzeln. ist, im fahrradkinderanhänger durch den frisch beregneten wald gefahren zu werden und zwecks der bespaßelung unterwegs mit buntstiften werkelnd diese unglaubliche geruchsmischung nassen waldbodens in warmer luft, buntstiften in zedernholz und des gummis der regenjacke in mir aufnehmend, um ihn nie wieder zu vergessen. KLP ist, einige jahre später als echte wendländerin für papa mit dem hut rumzugehen, wenn er mit der geige die zuhörer entführt. KLP war schon immer zirkus und theater und noch viel allgegenwärtiger: kunst überall. aber KLP war nicht immer „kulturelle landpartie“ , früher nannte ich es „kutturelpalantpati“ . und es steht wendländische keramik auf unserem tisch und diese unfassbar niedliche filzmütze, auf meinen 6 monate alten kopf maßgeschneidert, ist ein festes gebilde meiner kindheit – KLP hinterlässt spuren. und KLP wächst mit. während wir früher mit dem zug anreisten, um hier fahrrad fahren zu können, ist KLP jetzt vor der haustür, seit 12 jahren. ich klemme mir dieses jahr meine geige unter den arm und fahre direkt los, ein öko auf zwei rädern, und genieße den geruch, die kunst, die gewissheit, dass die zeit zwischen himmelfahrt und pfingsten am schönsten ist

LG, janka lotta, tochter von steffi kroll, wunderpunkt Hitzacker, Gut Meudelfitz

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Was bedeutet die Kulturelle Landpartie für mich

Als wir das Konzept der Wohnzimmerkonzerte erarbeiteten, fragte mich ein Mensch, was denn das Ganze für einen Nennwert hätte. Nach fünf Jahren kann ich sagen, gar keinen, wenn man das im Sinne von „Asche“ betrachtet. Sieht man es mit unseren Augen, bringt es ein abwechslungsreiches Leben und unbändige Freude. Wir sind vier Familien, in deren Häusern Konzerte mit wechselnden Künstlern stattfinden. Das heißt vor und während der KLP, gibt es einen regen Austausch und eine gute Zusammenarbeit. Die Künstler wohnen bei uns und werden bekocht, wir räumen ganze Wohnzimmer um und haben für diese KLP-Wochen kein eigenes Leben. Dafür kommen jeden Tag neue interessante Gäste mit großen Erwartungen. Für zwei Stunden hat man dann das Gefühl, die Musiker in diesem Raum, singen und spielen nur für mich. Noch nie hat mich handgemachte Musik so berührt, wie in unseren Wohnzimmern. Und dafür lohnt sich jede Mühe und Arbeit.

Sigrid Thürey vom Wunderpunkt Quickborn

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Was bedeutet mir die Kulturelle Landpartie?

Vor allem ist die Landpartie für mich – und ich denke, das werden fast alle Beteiligten , als auch unsere Gäste unterschreiben – ein Schmelztiegel an Kreativität und Fantasie, Buntheit und Vielfalt, Leben und Freude. Ich schätze die Entwicklung in ihrer Bandbreite, dass es kleine Punkte mit Nonprofit-Ambitionen gibt, als auch die Großen, die von manchen als zu kommerziell angesehen werden. Aber in meinen Augen ist dies genau die Vielfalt, die den Charakter dieser Veranstaltung ausmacht.

Wieviel Besucher verträgt die Kulturelle Landpartie? Darüber wird im Plenum seit Jahrzehnten diskutiert. Ich glaube, selbst wenn diese die Masse der Ausstellungspunkte stagnieren oder gar schrumpfen würde, die Einzigartigkeit der KLP wirkt wie ein Magnet.

Manchmal wünsche ich mir mehr Identifikation einzelner Aussteller oder Veranstalter mit unseren Inhalten und Strukturen. Dass nicht alle und immer zum Plenum kommen (können) ist nachvollziehbar. Aber einen öfteren Wechsel in den einzelnen Arbeitsgruppen und mehr Anteilnahme finde ich wünschenswert.

Ich freue mich jedes Jahr auf die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Auf Freunde und Bekannte, die ich vielleicht nur einmal im Jahr zu sehen bekomme. Und auf neue Gesichter, neue Kontakte, die für mich keine Besucher, sondern Gäste sind. Und natürlich auf die Gespräche mit Ihnen, die bei den Dorfführungen über den ‚Dorfpunkt Diahren‘ entstehen. Und wenn ich am Pfingstmontag um 18 Uhr mein Scheunentor schließe und das Gefühl habe – schade, könnte noch ein paar Tage so weitergehen, dann bin ich im nächsten Jahr wieder dabei!

Per Stüven vom Dorfpunkt in Diahren

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Mein liebstes Motto: Fantasie an die Macht!

Ich liebe das Landleben. Obwohl ich auf einem wunderschönen Hof fernab der Metropolen lebte, entschloss ich mich im letzten Jahr dort wegzuziehen. Bis dahin gestaltete ich soziokulturelle Projekte, bei denen es um kreative Beispiele für vielfältiges und selbstbestimmtes Leben auf dem Land ging. Die Projekte wurden viel gelobt, konnten sich aber nicht selber finanzieren. So suchte ich nach einer neuen Perspektive und zog ins Wendland.

Nicht nur die Störche auf den Dächern klapperten mir den Willkommensgruß zu, „Herzlich willkommen!“ war der häufigste Satz, den ich zu hören bekam. Überall traf ich auf hilfsbereite und couragierte Menschen. Diese bunte Mischung, zwischen Bauern und Künstler, Handwerker und Designer, Jung und Alt, fand ich vom ersten Moment an faszinierend. Mir ist es eine große Freude, nicht nur jetzt im Rundlingsdorf in Beesem zu leben, sondern auch dort kulturell aktiv zu werden. Ich besinge DIE WENDLÄNDISCHEN VIER, die anders als die Bremer Stadtmusikanten ihr Glück nicht in der Stadt, sondern zuhause im Wendland suchen: Eine Ziege, ein Biber, eine Fledermaus und eine Störchin schmieden den Plan für eine neue Konferenz der Tiere. Schließlich liegt die alte, von Erich Kästner geschrieben, bald 70zig Jahre zurück. „Fantasie an die Macht!“ ist also das Motto der WENDLÄNDISCHEN KONFERENZ DER TIERE, für welches es kein besseres Forum als die Kulturelle Landpartie geben kann.

Majanne Behrens vom Wunderpunkt Beesem 6

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Komm schöne Zeit

Zeit der Begegnung, der Freude, Zeit für Kunst und Kultur, ein Fest der Sinne, für Augen, Ohren,
Mund, Nase, Hände, Füsse, Bauch. Gefühl und Verstand, Anregung allenthalben, Impulse, Ideen,
Zeit für Freunde und Unbekannte

Gedankenaustausch, Liebeslieder, Gedichte gegen den Hass, Neugierde, Herzensangelegenheiten, Licht in der Seele für graue Tage, Zusammenrücken um die Feuerstelle wenn der Wettergott die A-karte zeigt, Wind von vorne sind wir gewöhnt

denn Gorleben steht noch, Trutzburg Atommüll steht da in seinem atomaren Glanz und strahlt und strahlt.
Hallo, Widerstand muss jetzt sein, weiterhin. Stellen wir uns X

Kunst und Kultur, wir öffnen die Türen.
Wir zeigen was wir können, wie wir umgehen mit unserer Welt.
Kulturelle Landpartie wir sind anders und, un-perfekt, mit jeder Menge Improvisationstalent,
wir sind respektlos wenn es sein muss, experimentierfreudig, humorvoll, diskussionserprobt, hartnäckig,
sind wie ein Sack voller Flöhe schwer zu bremsen, bunt, wild, idealistisch, feinfühlig und hilfsbereit,
wir bringen das Wendland zum Beben, Tanzen, Genießen, für Mitmenschlichkeit und die Umwelt kämpfen,
zum Nachdenken, Feiern, Menschen verbinden.

Schimpft uns nur Weltverbesserer, grüne Spinner, Traumtänzer, Nischenbewohner, wer wenn nicht wir haben das Wendland in seiner Besonderheit und Schönheit zur Möglichkeit bekommen, so zu leben wie wir's tun, achtsam und bewußt und nachhaltig. Für nachfolgende Generationen, damit uns hier noch was blühen kann.

Monika Fischer, Wunderpunkt Gross Wittfeitzen 8

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Landpartie ist wendische Kultur – aus der Widerstandsbewegung entsprungen

und dort auch noch verwurzelt – was außerhalb dessen ist, ist Begleiterscheinung.
Für mich persönlich bedeutet die KLP, dass ich mein Anliegen der Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Hoforganismus, Umgang mit unserer Mitwelt und daraus resultierend: Lebensmittelqualität durch die Landpartie in dieser Zeit ausgesprochen gut umsetzen kann.

Leider schaffe ich es bisher kaum, den Gorleben Widerstand in Gesprächen zu thematisieren, da ich als Hauptverantwortlicher neben meinen über 7 KLP-Jobs (Organisation, Frühstück richten, Essen und Kaffee kochen, Gästebetreuung, Putzen, Mitarbeiterführung, Hofführungen, Grillen und Getränkeverkauf, Springer, nebenbei auch: KleinBauer…) nicht mehr viel schaffe… dazu bräuchte ich eigentlich ein zusätzliches „Format“ !
– bis bald in der Zukunftswerkstatt

Georg Hohenbild vom Wunderpunkt Breese im Bruche

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Vortrag von Michael Seelig 2014

anlässlich des Dorfsymposiums in Dipperts 12-14.10.2014

Kulturelle Landpartie – Wunderpunkte im Wendland
Kooperationen schaffen Mehrwerte

Die Kulturelle Landpartie ist eine basisdemokratisch organisierte Kulturveranstaltung, die seit 25 Jahren jeweils zwischen Himmelfahrt und Pfingsten im Wendland organisiert wird. Die Akteure sind allesamt Atomkraftgegner und fühlen sich als der kreative Arm der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg. Der Erfolg der Veranstaltung wurde durch die Kooperation der zahlreichen Individualisten möglich.

Will man die „Kulturelle Landpartie – Wunderpunkte im Wendland“ verstehen, sollte man schon etwas mehr über das Wendland erfahren.
Es liegt im Nordosten von Niedersachsen und ragte als spitze Nase 40 Jahre in die damalige DDR. Das Wendland war das „Land am Rand!“ . Heute liegt das „grüne Herz“ mitten drin und grenzt an Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Der Landkreis Lüchow Dannenberg im Vierländereck ist 1.220 km2 groß, 49.017 Menschen wohnen hier. Es ist eine der am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands, mit nur 40 Einwohnern/km2.
Drei Samtgemeinden, 27 Gemeinden, fünf kleine Städte und 300 Dörfer bilden ein großes Dorf. Berlin und München sind zusammen in der Fläche so groß wie der Landkreis, nur ist hier „alles grün – sonst nix!“
Von 300 Dörfern sind 80 Rundlingsdörfer. Für fünfzehn ausgewählte Rundlinge wurde kürzlich durch die Samtgemeinde Lüchow und den Rundlingsverein ein UNESCO Welterbeantrag gestellt.
Prägend für die Region ist die Naturlandschaft, denn 50% der Fläche unterliegen einem Schutzstatus. Der größte Fläche, die Niedersächsische Elbtalaue, ist Teil des UNESCO Biosphärenreservats Mittlere Elbe, das sich über vier Länder hinweg von Lauenburg bis Dessau erstreckt.
Die Agrarwende und die industrielle Landwirtschaft sorgen für stetige Konflikte zwischen „Nützen und Schützen“ . So spiegeln sich in diesem Mikrokosmos Wendland die großen Konflikte dieser Gesellschaft wieder.

Alle Akteure der Kulturellen Landpartie sind Atomkraftgegner. Das hat seinen Grund, denn 1977 präsentierte der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht Gorleben als Standort eines Nuklearen Entsorgungszentrums (NEZ). Der größte Industriekomplex Mitteleuropas sollte hier im Gorlebener Wald entstehen. Dagegen regte sich Widerstand, der sich zu einer entscheidenden gesellschaftlichen Protestbewegung der BRD entwickelte. Die zahlreichen Trecks der Bauern in die Machtzentren der Politik, die CASTOR Transporte und die zahllosen Demos sind bis heute Ausdruck einer realen Bedrohung, gleichzeitig für die Menschen vor Ort Identität stiftend und Kraft spendend. Von den damaligen Plänen sind heute das Endlager-Erkundungsbergwerk, die Castor-Lagerhalle, das Fasslager und die Pilotkonditionierungsanlage im Forst von Gorleben zu besichtigen.

Identität stiftend für die Kulturelle Landpartie wurde das „Hüttendorf 1004“ . Hier wurde 1980 die „Republik Freies Wendland“ ausgerufen. Der Spruch „Haus und Turm könnt ihr zerstören, aber nicht die Kraft, die es schuf!“ setzt sich in den Gedanken der Macher der Kulturellen Landpartie fort.

„Ort und Zeit der Demonstration bestimmen wir selbst!“ und so entstand 1985 eine Kunstaktion für eine geladene Gesellschaft, die vier große Reisebusse füllte. „Hart an der Grenze“ , war eine Reise über zwölf Stunden, von mittags 12 bis nachts um 12 Uhr, zu zwölf künstlerisch gestalteten Stationen, immer hart an der Grenze des Landkreises, der sogenannten Zonengrenze, entlang.

Diese „Reise“ ist eine der Wurzeln der Kulturellen Landpartie, durch die das Erlebnis Naturlandschaft und der Auseinandersetzung mit Kunst als Motiv entdeckt wurde. „Wir können Kunst und Widerstand verbinden und auch größere Veranstaltungen gut organisieren“ : war eine wesentliche Erfahrung… und es macht Spaß, gemeinsam erfolgreich zu agieren.
In den kommenden Jahren folgten weitere Kunstaktionen: so 1987 die Kunstaktion „Da müssen wir durch!“ – eine „Reise“ durch eine Vollmondnacht über zwölf Stunden zu zwölf Stationen in einem unwirtlichen Kiesgrubengelände.

Die zweite entscheidende Wurzel der Kulturellen Landpartie wurde der 1985 erstmals veranstaltete Pfingstmarkt Kukate „Handwerk & Kunst“ Dieser Markt mit seinen etwa 50 jurierten Ausstellern entwickelte sich zur Leitmesse für die Kulturellen Landpartie.

Unter dem Titel „Wunde.r.punkte Wendland“ wurde 1990 die erste Kulturelle Landpartie geplant. Die Organisatoren, alles Multiplikatoren mit eigenen Netzwerken (Bürgerinitiative, Naturschutzverbände, Bildungseinrichtungen, Künstlerkreise etc.), schrieben in der Einladung:

“ Pfingsten 1990: Für zehn Tage wollen wir das Wendland zu einem Ort der Begegnung und des Austausches machen. Künstler und Kunsthandwerker, politische und ökologische Initiativgruppen, Bewegte und Unentwegte stellen sich und ihr Leben vor – zwischen Utopie und Alltag, zwischen Auflehnung und Anpassung, Kunst und Kommerz, zwischen Aquarell und Becquerel…“

Parallel zu den ersten Wunde.r.punkten organisierte eine andere kleine Gruppe eine Landschaftskunstaktion mit dem Titel „Aus allen Wolken – textile Zeichen in der Landschaft“ . 25 Künstler aus der BRD und 25 Künstler aus der DDR waren an dieser Fahnen-Aktion beteiligt. In der Einladung hieß es: „Die Schadstoffe der Industrienationen werden vom Winde verweht – Egal wohin der Wind weht, er trifft immer den Menschen!“
Heftige Auseinandersetzungen zwischen Jägern, die ihre gerade frisch eröffnete Bockjagd durch flatternde Fahnen gefährdet sahen, und den beteiligten Künstlern erzeugten großes Medieninteresse und bescherten den Wunde.r.punkten zahlreiche Besucher. Ein Glücksfall, denn über diese Provinzposse und die Wunde.r.punkte Wendland wurde in Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsendungen auch überregional berichtet. Die Wunde.r.punkte waren über Nacht bekannt geworden.

Aus dem Widerstand gegen den Atomstandort Gorleben entwickelte sich die Haltung: „Kommt her, schaut uns an, wir sind die Chaoten!“ .
Die stetige öffentliche Diffamierung und Kriminalisierung des Gorlebenwiderstandes ist eine der wesentlichen Motivationen, dass ca. 600 Aktive in 100 Dörfern auf privaten Grundstücken jährlich rund 1.000 Veranstaltungen organisieren.
In zwölf Tagen kommen heute ca. 50.0000 – 70.000 Besucher. Sie fahren mit dem Fahrrad von Ort zu Ort, durch Wiesen, Wälder und Felder, um dann kleine Ausstellungen, kleine Märkte, Konzerte, Lesungen, Theater- oder Filmvorführungen zu besuchen.
Es ist der reizvolle Wechsel zwischen dem Erlebnis der offenen Kulturlandschaft und den persönlichen Begegnungen mit den Menschen in den kleinen Dörfern, die ihre Wohnungen, Werkstätten und Scheunen für den Zwölf-Tage-Kulturbetrieb hergerichtet haben.

Die Organisation der Kulturveranstaltungen erfordert persönliches Engagement und Tatkraft. Kooperationen und Absprachen sind nötig. Alles wird in einem „Reisebegleiter“ – einer kleinen Informationsbroschüre, die jährlich dicker wird, sichtbar gemacht. Dieser Reisbegleiter ist das verbindende Element der Kulturellen Landpartie, denn jeder Veranstalter ist seines eigenen Glückes Schmied und handelt völlig autonom.

Die Organisationsstruktur sieht heute (2014) so aus:
• Das PLENUM fasst alle Beschlüsse im Konsens. Wer da ist, bestimmt! • Der gewählte RAT versucht, das Chaos zu strukturieren.
• Die AG Finanzen behält den Überblick über einen Etat von etwa 60.000,-€
• Die AG Neue Punkte entscheidet, wer mit dabei sein darf und wer nicht. • Das BÜRO setzt die Dinge um.
• Der VEREIN Kulturelle Landpartie e.V. bildet den rechtlichen Mantel. Die Beschlüsse des Plenums werden vom Verein abgenickt.
• Nur im Wendland Ansässige und Atomkraftgegner können Mitglied in der KLP werden.
• Nur Selbstgemachtes – keine Handelsware – darf gezeigt werden.
• Alle verpflichten sich, ihre Ausstellungen von 11.00 – 18.00 Uhr zu öffnen.

Die Kulturelle Landpartie ist eine große Bühne für Künstler und Lebenskünstler und heute auch ein großer Markt. Für manche gestaltende Handwerker ist die Kulturelle Landpartie zu einer Ordermesse geworden, die ihnen das ganze Jahr Arbeit sichert.

600 Individualisten und kampferprobte Atomkraftgegner über 25 Jahre hinweg in einem basisdemokratischen Prozess zu dauerhaften Kooperationen zu bewegen, ist die eigentliche Kulturleistung der Akteure selbst. Es ist Chaos, aber es funktioniert und das ist das Liebenswerte daran. Öffentliche Förderungen hat es nie gegeben, alle Übergriffe und Vereinnahmungsversuche von außen wurden erfolgreich abgewehrt.

Aus der Kulturellen Landpartie sind mittlerweile mehrere eigenständige Veranstaltungsformen hervorgegangen:
Der Pfingstmarkt findet heute im Rundlingsdorf Satemin statt.
Die „Mützingenta“ hat sich als eigenständige Veranstaltung ausgegliedert.
In Küsten backen Frauen der Kirchengemeinde Küsten 800 Torten und spenden 15 000,- € an gemeinnützige Institutionen im Kreis.
„Wendland hautnah“ veranstaltet eine Landpartie das ganze Jahr.
Die Sommerakademie Wendland offeriert ein Programm aus vielerlei Gewerken und Künsten zum Hineinschnuppern und Mitmachen von einstündig bis mehrtägig, jedes Jahr im August.

Absprachen, Kooperationen und der gemeinsame Wille zur Selbstdarstellung sind ein wichtiges Fundament dieser Kulturveranstaltung. Doch Investitionen sind notwendig. Von diesem Invest profitieren alle. So wird ein regionaler Wirtschaftskreislauf in Gang gesetzt, bei dem das meiste Geld im Lande bleibt.
Die größere Wirtschaftskraft kommt allerdings durch die zahlreichen Besucher ins Land; die regionale Wertschöpfung kann so jährlich auf ca. 5 Mio. € geschätzt werden.

Die Kulturelle Landpartie im Wendland wurde bundesweit Vorbild für ähnliche Veranstaltungen. Die „Brandenburger Landpartie“ oder „Kunst offen“ in Mecklenburg sind Beispiele dafür. Allerdings sind diese Events oft Marketingveranstaltungen der Tourismusbranche.

Ihnen fehlt der Spirit. – Denn Not macht erfinderisch und solidarisch.

Michael Seelig
Realschullehrer a.D. an der KGS Clenze. Lebt seit 1975 mit Familie auf dem Werkhof Kukate
im Landkreis Lüchow Dannenberg. Mitglied der Bürgerinitiative Umweltschutz und
Mitbegründer der Kulturellen Landpartie und weiterer Regionalinitiativen.

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